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Feder-Rechner

Federrate, Federweg, Schubspannung und Sicherheit für Druck- und Zugfedern nach DIN 2089 — mit animierter Federvisualisierung.

Federstahl 1.1200 (Ck67)G=81.500 | τ=900
Edelstahl 1.4310G=73.000 | τ=700
VergütungsstahlG=78.500 | τ=1100
KupferbronzeG=44.000 | τ=350
Inconel 718G=76.000 | τ=900
6.60
Federrate c (N/mm)
30.30
Federweg f (mm)
549
Schubspannung τ (N/mm²)
1.64
Sicherheit gegen τ_perm
34.5
Freie Länge L₀ (mm)
3030
Federenergie E (Nmm)
Wicklungsverhältnis W = 8.3 | Korrekturfaktor Kw = 1.165
Federvisualisierung
200 N59c = 6.6 N/mm, f = 30.3 mmτ = 549 N/mm² (1.6× Sicherheit)

Schraubendruckfedern — das unterschätzte Maschinenelement

Federn sind überall: In Kugelschreibern und Fahrzeugaufhängungen, in Ventilsteuerungen und Sicherheitsventilen, in medizinischen Implantaten und Raumfahrtanlagen. Die zylindrische Schraubendruckfeder aus Runddraht ist dabei das mit Abstand häufigste Federelement — und gleichzeitig eines, das in der Konstruktionspraxis oft unterschätzt wird. Eine falsch ausgelegte Feder bricht, relaxiert, knickt oder erzeugt Resonanzschwingungen — mit teils fatalen Konsequenzen.

Der zentrale Auslegungsparameter ist die Federrate c (Federkonstante, Federsteifigkeit), die das Kraft-Weg-Verhältnis einer linear-elastischen Feder beschreibt. Sie hängt von vier geometrischen und einem Materialparameter ab:

c = G × d⁴ / (8 × D³ × n) Federrate [N/mm] | G = Schubmodul [MPa], d = Drahtdurchmesser [mm], D = Mittelwindungsdurchmesser [mm], n = aktive Windungszahl
💡
Sensitivität: Die Federrate steigt mit der 4. Potenz des Drahtdurchmessers, aber sinkt mit der 3. Potenz des Biegeradius. Verdoppeln Sie den Drahtdurchmesser → Federrate ×16. Verdoppeln Sie den Wicklungsdurchmesser → Federrate ÷8. Der Drahtdurchmesser ist damit der wirksamste Hebel zur Federraten-Anpassung.

Die vier Grundtypen von Federn im Maschinenbau

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Schraubendruckfeder

Häufigster Federtyp. Arbeitet auf Druck. Offene Windungsenden, flach geschliffen. Anwendung: Ventile, Stoßdämpfer, Kupplungen, Matrizenkissen.

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Schraubenzugfeder

Arbeitet auf Zug. Geschlossene Windungen mit Anfangsvorspannung und angeformten Ösen. Türfedern, Rückholfedern, Zugfedern in Automaten.

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Drehfeder (Torsionsstab)

Übertragung von Drehmomenten. Einsatz: Fahrzeugstabilisatoren, Uhrenfedern, Torsionsdämpfer in Getrieben. Berechnung über Torsionsmoment M = c_T × φ.

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Tellerfeder (Belleville)

Konische Ringscheibe, sehr hohe Federkraft auf kleinstem Raum, auch progressiv oder degressiv. Bremsen, Kupplungen, Dichtflansche, Axialsicherung.

Spannungsnachweis nach DIN EN 13906 — der Wahl-Korrekturfaktor

Die maßgebliche Beanspruchung einer Schraubendruckfeder ist keine Biegespannung, sondern eine Torsionsschubspannung τ. An der Innenkontur der Windung (kleinstem Krümmungsradius) konzentriert sich die Spannung — der empirische Wahl-Korrekturfaktor Kw korrigiert diesen Effekt:

Kw = (4W + 2) / (4W − 3) mit W = D / d Kw = Wahl-Korrekturfaktor | W = Wicklungsverhältnis (empfohlen: 4–16)
τ = Kw × (8 × F × D) / (π × d³) Torsionsschubspannung [MPa] | F = Federkraft [N] | D = Mittelwindungsdurchmesser [mm] | d = Drahtdurchmesser [mm]

Die Sicherheit S gegen plastische Verformung ergibt sich als S = τ_zul / τ_vorh. Für statische Belastung gilt als Richtwert S ≥ 1,3, für wechselnde Belastung (Schwingfedern) S ≥ 1,5 bis 2,0. Die zulässige Spannung τ_zul hängt vom Werkstoff und der Drahtdicke ab und wird aus Werkstoff-Diagrammen nach EN 10270 entnommen.

Werkstoffauswahl für Federn — die richtige Wahl ist entscheidend

Federwerkstoff G [MPa] Max. Temp. Vorteil / Einsatz
Patentierter Federstahl (DIN EN 10270-1)81.500+120°CStandard, günstig, hohe Festigkeit
Vergütungsstahl (DIN EN 10270-2)81.500+150°CHöhere Streckgrenze, dicke Drähte
Edelstahl 1.4310 (EN 10270-3)73.000+250°CKorrosionsbeständig, Lebensmittel, Medizin
Edelstahl 1.4568 (17-7 PH)75.000+320°CHöhere Festigkeit bei korrosiver Umgebung
Phosphorbronze CuSn842.000+100°CElektrisch leitfähig, nicht magnetierbar
Inconel 718 (NiCr-Legierung)77.000+600°CHochtemperatur, Turbinen, Triebwerke
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Werkstoff-Relaxation: Im Dauerbetrieb bei erhöhter Temperatur verlieren Federn einen Teil ihrer Vorspannkraft — dieser Effekt heißt Relaxation. Ck67 verliert bei 150°C über 1000 Betriebsstunden ca. 5–15 % der Federkraft. Für Hochtemperaturanwendungen oder dauernd vorgespannte Federn (z. B. Flanschdichtungen) müssen Relaxationswerte bei der Auslegung einkalkuliert werden.

Knicknachweis bei langen Druckfedern

Schlanke Druckfedern können unter Last seitlich ausweichen — der Knicksicherheitsnachweis ist Pflicht bei hohem Schlankheitsgrad. Als kritische Schlankheit gilt:

  • L₀/D ≤ 2,5: Kein Knicken zu erwarten — keine Maßnahmen nötig
  • L₀/D = 2,5–4: Knicken möglich — Führungsdorn oder Führungshülse vorsehen
  • L₀/D ≥ 4: Knicken bei freier Einspannung wahrscheinlich — Zwischenstützen oder Führungsrohr erforderlich

Die genaue Knicklastberechnung erfolgt nach der Eulerschen Knickformel analog zum Stabknicken, adaptiert auf das Federwerkssystem. Alternativ kann die Feder in zwei kürzere Serien-Federn aufgeteilt werden.

Federreihe und Parallelschaltung

Durch Kombination mehrerer Federn lassen sich maßgeschneiderte Charakteristiken erzielen:

Schaltung Gesamtfederrate Gesamtweg Typischer Einsatz
Reihenschaltung (hintereinander)1/c_ges = 1/c₁ + 1/c₂s₁ + s₂Weicher gesamter Federweg
Parallelschaltung (nebeneinander)c_ges = c₁ + c₂gleichHöhere Gesamtkraft, Normfeder-Sortiment
Progressivschaltung (ineinander)variabeladditivFahrzeugfederung, sanftes Anschlagen

Federstahl vs. Gummipuffer — wann welches Element?

Technische Federn aus Stahl sind nicht immer die beste Lösung. Elastomere Puffer (Gummi, Polyurethan) bieten intrinsische Dämpfung, sind aber abhängiger von Temperatur und zeigen nichtlineares Verhalten. Stahlfedern reagieren vollständig linear-elastisch, ermüden kaum und behalten ihre Kennlinie über die gesamte Lebensdauer. Für präzise Kraftanforderungen, scharfe Toleranzen oder Hochtemperaturanwendungen sind Stahlfedern stets die bevorzugte Wahl.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Druckfedern werden auf Druck belastet und haben an beiden Enden flach geschliffene, offene Windungsenden. Zugfedern arbeiten auf Zug, besitzen geschlossene Windungen mit Anfangsvorspannung und angeformte Ösen zur Krafteinleitung. Die Federratenformel c = G × d⁴ / (8 × D³ × n) gilt für beide Typen, jedoch muss bei Zugfedern die Vorspannkraft F₀ der Anfangsspannung Q₀ (Spannung beim ersten Abheben der Windungen) separat berücksichtigt werden.

Das empfohlene Wicklungsverhältnis liegt zwischen W = 4 und W = 16. Bei sehr kleinen W-Werten (W < 4) wird die Federfertigung durch das enge Aufwickeln schwierig, und der Wahl-Korrekturfaktor Kw steigt steil an (W=4: Kw ≈ 1,40). Bei großen W-Werten (W > 16) neigt die schlanke Wicklung zum Knicken und lateralen Ausweichen unter Last. Optimal liegt W bei 6–12, was Kw-Werte zwischen 1,20 und 1,08 ergibt.

Die Blocklänge Lc ist die Länge, bei der alle Windungen geschlossen anliegen: Lc = d × (n_ges). Der maximale Federweg darf Lc nicht überschreiten. Nach DIN EN 13906 soll ein Mindestabstand sa verbleiben, typisch sa ≥ 0,1 × d oder sa ≥ 0,1 × (fs_max). Bei schwingendem Betrieb (Hubfedern) wird ein Mindestspalt von 20–30 % empfohlen, um Blockschläge und dann folgende Ermüdungsbrüche zu verhindern.

Relaxation tritt auf, wenn ein metallischer Werkstoff dauerhaft verformt wird — besonders bei erhöhter Temperatur. Die Atome im Kristallgitter verschieben sich irreversibel (Kriechen), wodurch die elastische Spannung im Draht abnimmt. Bereits bei 70 % der Streckgrenze und 100°C kann Ck67 über 1000 Stunden 5–10 % seiner Vorspannung verlieren. Gegenmaßnahmen: Hochwarmfeste Werkstoffe (Inconel, 1.4568), niedrigeres Spannungsniveau (kleinerer Drahtdurchmesser bei gleichem Weg), oder Nachspannung im Wartungsintervall einplanen.

Jede Schraubenfeder hat eine Eigenfrequenz: f₀ = (1/2) × √(c / m_Feder) × (1/π) bzw. nach DIN-Näherung f₀ ≈ 3,56 × 10³ × d / (n × D²) × √(ρ/G). Bei dynamischen Systemen (z. B. Nockenantriebe, Stoßdämpfer) muss die Betriebsfrequenz mindestens Faktor 2–3 unter f₀ liegen. Gegenmaßnahmen bei Resonanzgefahr: Progressivfeder (verschmiert Resonanzbereich), konische Feder, Dämpfungselement in Serie, oder andere Windungsanzahl.-geometrie.

Tellerfedern (Belleville-Federn) liefern sehr hohe Kräfte auf kleinstem axialen Bauraum. Typisch: 10.000–1.000.000 N Federkraft bei wenigen Millimetern Federweg. Sie eignen sich für Brems- und Kupplungssysteme, Flanschdichtungen (konstante Vorspannung), Schraubensicherung und sehr kurze Hubwege. Nachteil: stark nichtlineare Kennlinie (je nach h/t-Verhältnis sogar degressiv bis isostatisch). Für lineare, gut steuerbare Kraft-Weg-Beziehungen sind Schraubenfedern überlegen.

Die Gesamtwindungszahl n_ges setzt sich zusammen aus den aktiven (federnden) Windungen n und den inaktiven Endwindungen. Bei kaltgeformten Druckfedern mit flach geschliffenen Enden sind die Endwindungen inaktiv: n_ges = n + 1,5 bis 2,5 (je nach Ausführung). In unserer Berechnung wird n als aktive Windungszahl eingegeben. Für die Blocklängenberechnung muss n_ges verwendet werden.

Ja — prinzipiell gilt: Weniger aktive Windungen n = höhere Federrate c. Das Abschneiden einer Windung verdoppelt fast die Federrate (c ~ 1/n). Allerdings ist das Ad-hoc-Kürzen von Federn in der Praxis kritisch, da: (1) Die Endwindungen nicht mehr flach geschliffen sind → ungleichmäßiger Kraftangriff; (2) Schnittkanten sind scharfkantig → Kerbwirkung und Frühbruch; (3) Die Federgeometrie (Länge, Blocklänge, Federlage) ändert sich. Besser: Neue Feder mit korrekter Windungszahl fertigen lassen.

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