U-Wert-Rechner
Wärmedurchgangskoeffizient für mehrschichtige Wandaufbauten berechnen — mit Temperaturgradient-Visualisierung und GEG-Energielabel.
U-Wert — der wichtigste Kennwert für Wärmeschutz am Bau
Der U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) in W/(m²K) beschreibt, wie viel Wärmeenergie pro Sekunde durch einen Quadratmeter eines Bauteils fließt, wenn der Temperaturunterschied zwischen innen und außen 1 Kelvin beträgt. Je kleiner der U-Wert, desto besser die Dämmung — und desto niedriger die Heizkosten und der CO₂-Ausstoß des Gebäudes. Wer Sanierungsmaßnahmen wirtschaftlich bewertet oder Neubau-Konzepte optimiert, kommt ohne den U-Wert nicht aus.
Der Rechner berechnet den U-Wert für beliebige mehrschichtige Wandaufbauten — von der einfachen 1-Schicht-Betrachtung bis zum vollständigen Wandkonstruktionsaufbau mit bis zu 10 Schichten. Für jede Schicht werden Dicke und Wärmeleitfähigkeit λ eingegeben. Die normierten Übergangswiderstände Rsi und Rse sind bereits berücksichtigt.
U = 1 / (Rsi + Σ(dₙ/λₙ) + Rse) U [W/(m²K)] | Rsi = 0,13 m²K/W (innen) | Rse = 0,04 m²K/W (außen) | dₙ = Schichtdicke [m] | λₙ = Wärmeleitfähigkeit [W/(mK)] Vier Dämmkonzepte im Vergleich
WDVS — Außendämmung
Wärmedämmverbundsystem: Dämmplatten (EPS/Mineralwolle) werden außen auf die tragende Wand gedübelt und verputzt. Kein Wohnflächenverlust, keine Wärmebrücken an Deckenankern, guter Schallschutz. Standard für Neubau und Sanierung.
Kerngedämmte Wände
Zwei Mauerschalen mit Dämmung im Zwischenraum. Sehr dauerhaft, kein Außenputz required. Ideal bei vorgehängten Fassaden (Klinkerfassaden). Nachteil: Wärmebrücken durch Anker zwischen den Schalen.
Innendämmung
Dämmung auf der Raumseite, wenn außen nicht zugänglich (Denkmalschutz, Eigentumsgrenzen). Verringert Wohnfläche, erhöht Taupunktrisiko (Kondensatprüfung nach Glaser-Verfahren zwingend). Nur mit diffusionsoffener oder dampfbremsender Ausführung.
Monolithische Konstruktion
Hochlochziegel mit WLG 07–10 (λ = 0,07–0,10 W/mK) als einschichtiges Mauerwerk ohne extra Dämmung. Ökologisch und einfach, aber GEG-Grenzwerte erfordern sehr dicke Wände (50–60 cm) oder zusätzliche Kerndämmung.
λ-Werte und Eigenschaften der wichtigsten Dämmstoffe
| Dämmstoff | λ-Wert [W/(mK)] | WLG | Typisches Einsatzgebiet | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| EPS (Polystyrol, weiß) | 0,030–0,040 | 030–040 | WDVS-Außendämmung | Günstig, gute Druckfestigkeit |
| Mineralwolle (Steinwolle) | 0,033–0,045 | 033–045 | Dach, WDVS, Innendämmung | Nicht brennbar (A1), Schallschutz |
| Mineralwolle (Glaswolle) | 0,030–0,040 | 030–040 | Dachflächendämmung, Einblasen | Leichter als Steinwolle, flexibel |
| PIR-Hartschaumplatten | 0,020–0,025 | 020–025 | Flachdach, Innendämmung, Dachschrägdämmung | Dünnste Bauweise, aluminiumkaschiert |
| PUR-Ortschaum | 0,022–0,030 | 022–030 | Kellerwände, Leitungsdämmung | Verfüllt Hohlräume lückenlos |
| Holzfaserplatten | 0,038–0,050 | 038–050 | Diffusionsoffene Konstruktionen, Innendämmung | Wärmespeicherung, ökologisch |
| Vakuumdämmplatten (VIP) | 0,005–0,008 | 007 | Platzkritische Innendämmungen | 7× besser als EPS, sehr teuer, nicht schneidbar |
U-Wert-Anforderungen nach GEG und Förderstandards
| Bauteil | GEG 2023 (Neubau) | KfW 55 EE / BEG | KfW 40 / Passivhaus |
|---|---|---|---|
| Außenwand | ≤ 0,28 W/(m²K) | ≤ 0,20 | ≤ 0,15 |
| Dachfläche / Steildach | ≤ 0,20 | ≤ 0,15 | ≤ 0,12 |
| Oberste Geschossdecke | ≤ 0,20 | ≤ 0,15 | ≤ 0,12 |
| Kellerdecke / erdberührend | ≤ 0,35 | ≤ 0,25 | ≤ 0,15 |
| Fenster (Ug-Wert Glas) | ≤ 1,30 | ≤ 0,95 | ≤ 0,70 |
| Haustür | ≤ 1,80 | ≤ 1,20 | ≤ 0,80 |
Dämmdicke ermitteln — Schritt für Schritt
- Ziel-U-Wert festlegen Bestimmen Sie den gewünschten U-Wert-Zielwert auf Basis von GEG-Anforderung, Förderstandard (KfW/BEG) oder wirtschaftlichem Optimum. Für KfW-Förderung gilt: Gesamtgebäude-Nachweis, keine bauteilweise Einzelgrenzwerte.
- Bestandswand analysieren Messen oder schätzen Sie die Dicke und den λ-Wert der Bestandskonstruktion. Altes Vollziegelmauerwerk 36 cm: U_bestand ≈ 1,5 W/(m²K) — 5× schlechter als GEG-Neubau.
- Benötigten Dämmwiderstand berechnen R_Dämmung = 1/U_ziel − Rsi − Rse − Σ(d_bestand / λ_bestand). Dieser Wert × λ_Dämmstoff = notwendige Dämmdicke.
- Dämmstoff wählen und Dicke normieren Wählen Sie den passenden Dämmstoff (EPS WLG 032, Mineralwolle WLG 035, PIR WLG 022). Normieren Sie die berechnete Dicke auf handelsübliche Plattendicken (z. B. 14 → 16 cm).
- Taupunktprüfung bei Innendämmung Bei Innendämmung nach DIN 4108-3 / Glasersches Diagramm prüfen, ob Kondensat in der Konstruktion entsteht. Diffusionsoffene Dämmstoffe oder dampfbremsende Folien (sd > 2 m) verhindern Feuchteschäden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Der λ-Wert (Wärmeleitfähigkeit) ist eine Materialeigenschaft — unabhängig von der Dicke, immer in W/(mK). Für Mineralwolle WLG 035: λ = 0,035 W/(mK). Der U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) beschreibt das gesamte Bauteil inklusive aller Schichten und Oberflächenwiderstände — in W/(m²K). Gleiches Material in doppelter Dicke halbiert den U-Wert annähernd (bei dünnen Schichten, wo Oberflächenwiderstände dominieren, ist der Effekt geringer).
Beispiel: Altes Vollziegelmauerwerk 24 cm (λ = 0,50): R_Wand = 0,48 m²K/W. Ziel U = 0,20 → R_gesamt = 5,0 m²K/W. Nach Abzug der Oberflächen (Rsi + Rse = 0,17) und Wand verbleiben: R_Dämmung = 5,0 − 0,17 − 0,48 = 4,35 m²K/W. Mit EPS WLG 032: d = 4,35 × 0,032 = 0,14 m = 14 cm EPS. Mit PIR WLG 022: d = 4,35 × 0,022 = 0,10 m = 10 cm — spart 4 cm Konstruktionstiefe.
Ja — aber mit abnehmendem Grenznutzen. Die erste Dämmschicht (z. B. von U = 1,5 auf 0,5) spart sehr viel Heizenergie. Jede weitere Schicht bringt weniger Einsparung. Das wirtschaftliche Optimum liegt meist bei U = 0,15–0,20 für Außenwände (EnEV-Grenzkosten-Analyse). Bei Altbausanierungen lohnt sich die Verstärkung über GEG-Pflicht hinaus besonders, wenn die Fassade sowieso erneuert wird — die zusätzliche Dämmung kostet dann nur das Material.
Dampfsperre (sd > 100 m, z. B. Aluminium-Folie): Verhindert Dampfdiffusion vollständig — verwendet bei Konstruktionen, die absolut trocken bleiben müssen (Flachdächer, Kälteanlagen). Dampfbremse (sd = 2–100 m): Bremst den Dampffluss stark, lässt aber geringe Diffusion zu — Standard für Dachstuhl-Dämmungen (Austrocknung im Sommer möglich). Intelligente Dampfbremsen (sd variabel mit Feuchte) sind die modernste Lösung — sd im Winter hoch (Schutz), im Sommer niedrig (Austrocknung).
Wärmebrücken werden im GEG-Nachweis als pauschaler Zuschlag ΔUWB berücksichtigt: 0,10 W/(m²K) bei normalem Wärmebrückennachweis ohne explizite Planung (Regelfall), 0,05 W/(m²K) bei Nachweis nach DIN 4108 Beiblatt 2 (Planungsaufwand), 0,03 W/(m²K) bei vollständig wärmebrückenfreier Ausführung. Für eine 200 m² Hüllfläche bedeutet das bei ΔUWB = 0,10 einen zusätzlichen Wärmeverlust von 20 W/K — das entspricht einer verschlechterten Außenwand um ca. 0,15 W/(m²K).
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle mit 15–20 % Zuschuss (Außenwanddämmung, Dachdämmung, Kellerdeckendämmung, Fenstererneuerung). Voraussetzung: Fachgutachten durch zugelassenen Energieberater (BEG-Experte), Mindesteffizienz-Anforderungen an U-Wert. Alternativ: KfW-Kreditprogramm 261 für Sanierung zum Effizienzhaus.
Der Energiebedarfs- oder Verbrauchsausweis (nach GEG pflichtmäßig bei Verkauf, Vermietung, Neubau) klassifiziert Gebäude nach A+ bis H. Beim Bedarfsausweis werden alle U-Werte und Bauteile berechnet — die Ergebnisse unseres Rechners fließen direkt in diese Analyse ein. Klasse A+ entspricht ≤ 15 kWh/(m²a), Klasse H über 250 kWh/(m²a). Der Energieausweis nennt die primären Wärmequellen und Empfehlungen für Sanierungsmaßnahmen.
Ökologische Dämmstoffe mit gutem Primärenergieeinsatz: Holzfaserplatten (gebundenes CO₂, diffusionsoffen, guter sommerlicher Wärmeschutz), Zellulosedämmung (Recyclingpapier, Einblasen in Hohlräume), Hanf- und Schafwolle (nachwachsend, feuchteregulierend). Mineralwolle liegt im Mittelfeld — energieaufwendige Herstellung, aber recycelbar und sehr dauerhaft. EPS/XPS sind petrochemisch und schlecht recyclebar — aber preislich günstig und dauerhaft. Für ökologische Gebäude bieten Holzfaser und Zellulose die beste Ökobilanz.